Wann steht bei Katzen der Zahnwechsel an?

Woran erkennt man das und wie kann man sie dabei unterstützen?

Kindern sieht man sofort an, wenn das Milchgebiss den Erwachsenenzähnen weicht: ihr Lächeln ziert dann die ein oder andere Zahnlücke! Phasenweise werden die zarten Beißerchen durch stabilere Zähne ersetzt, die – hoffentlich – bis ins hohe Alter erhalten bleiben. Kommt die Zahnfee auch bei Katzen vorbei? Wie vollzieht sich der Zahnwechsel bei unseren Miezen? Wann kündigen sich bei den Fellnasen die neuen Hacker an und was kannst Du tun, damit es Deiner Katze dabei gut geht und der Zahnwechsel reibungslos über die Bühne geht?

Diesen Fragen gehen wir hier auf den Grund und packen alles, was damit zu tun hat, an der Wurzel!  

Die Milchzähne bei Katzen

Haben junge Katzen Milchzähne, die sich verabschieden, wenn die Kiddies älter werden? Ja! – Nur läuft das bei Katzen alles etwas schneller ab! Die Natur sorgt dafür, dass Katzen dann die richtigen Zähne bekommen, wenn sie sie benötigen. Und zwar immer in einer Form, die dem jeweiligen Lebenszyklus angepasst ist: die ersten Lebenswochen ist Muttermilch dran – Zähne braucht man zum Saugen nicht. Mit vier bis fünf Wochen bekommen Kitten von ihrer Katzenmama ihre erste „feste“ Beute vorgesetzt – dafür brauchen sie das passende Werkzeug: Milchzähne!

Das Katzengebiss bei der Geburt

Bei der Geburt ist noch kein Katzengebiss vorhanden, da sind die Katzenbabys noch zahnlos. Nach zwei bis drei Wochen bahnen sich die ersten Milchzähne langsam ihren Weg: nach und nach erscheinen im Katzenkiefer winzig kleine Zähnchen, die spitz wie Stecknadeln sind. Das Katzengebiss wächst zusehends, es kommen immer mehr Zähnchen dazu. Spätestens mit 12 Wochen sind dann endlich alle Milchzähne da –  das Kitten-Milchgebiss ist mit insgesamt 26 Zähnen komplett!

Das Milchzahngebiss bei Katzen

Hast Du die kleinen Hacker des Milchzahngebisses Deiner Katze schon mal näher betrachtet? Beim Gähnen oder Miauen bekommst Du sie zwar zu Gesicht, aber das geht meist so schnell, dass man mit dem Zählen nicht nachkommt! Insgesamt haben Kitten 26 Milchzähne, 30 bleibende Zähne hat dann die erwachsene Katze: 

  • je Kieferhälfte 3 Schneidezähne
  • 1 Eck- bzw. Fangzahn
  • 3 Backenzähne vorne im Ober- und Unterkiefer
  • jeweils 1 Backenzahn hinten
    Dann ist das Gebiss vollständig

Wenn bei Deiner Katze der Zahnwechsel einsetzt

Wenn die „Erwachsenenzähne“ auf dem Vormarsch sind, setzt der Zahnwechsel ein: diese verdrängen die Milchzähne und treten an deren Stelle. Die Milchzähne haben dadurch immer weniger Halt und werden instabil – die „Wackelzahnzeit“ beginnt! Du bemerkst diesen Zahnwechsel oft gar nicht. Entweder verlieren die Katzen die Wackelzähne beim Futter fassen und schlucken sie mit hinunter oder sie entledigen sich des lockeren Zahns und Du findest den ein oder anderen da, wo Deine Katze sich am liebsten aufhält. 

Was genau passiert beim Zahnwechsel bei Katzen?

Wenn aus dem Katzenbaby ein Teenager wird, verändert sich der Körper. Mit dem Zahnwechsel passt er sich perfekt an das neue Leben an: Kurz bevor die Umstellung von Flüssig- auf Festnahrung ansteht, wird der Kiefer größer. Vier zusätzliche Zähnen kommen hinzu, die Backenzähne ganz hinten, die gab es vorher nicht. Die neuen Zähne sind allesamt größer und stabiler als die Milchzähnchen. Damit kann die Fellnase größere Kaliber erbeuten und fressen: ein größerer Körper braucht nämlich mehr Nahrung und Energie als ein kleiner! – Wieder ein ganz schön cleverer evolutionärer Schachzug, oder?

Wann findet der Zahnwechsel bei Katzen statt?

Wenn Katzen drei bis vier Monate alt sind, findet in der Regel der Zahnwechsel statt. Die neuen Zähne, die unter den Milchzähnen lagen, schieben nach und ersetzen die Milchzähne; gleichzeitig verkümmern die Milchzahn-Wurzeln. Die Milchzähnchen fallen nach und nach aus; die „Erwachsenenzähne“ nehmen dann ihren Platz ein. Mit sechs bis sieben Monaten ist der Zahnwechsel normalerweise abgeschlossen. Die neuen 30 Zähne bleiben der Katze jetzt bestenfalls bis ins hohe Alter so erhalten, wie sie sind.

Symptome des Zahnwechsels bei Katzen

Die Zahnwechsel-Zeit ist im wahrsten Sinne eine Umbruchzeit: Wenn die neuen Zähne sich ihren Weg bahnen, können die Schleimhaut der Maulhöhle oder das Zahnfleisch anschwellen und sich entzünden; je nachdem an welcher Stelle die Zähne durchbrechen und wie groß sie sind, kann damit ein harmloses Kribbeln einhergehen, es kann aber auch richtig fies schmerzen! Wir kriegen das gar nicht so mit, aber Katzen spüren das hautnah, dass da etwas im Gange ist. Entsprechend reagieren sie instinktiv, um die Symptome zu lindern.

Symptome, die bei Katzen den Zahnwechsel ankündigen können:

  • Rückzug, keine Lust zum Spielen oder Toben
  • Futter wird kaum oder gar nicht angerührt
  • Ungewohnter Geruch aus dem Maul
  • Stabile Gegenstände werden verbissen
  • Vermehrter Speichelfluss
  • Erhöhte Temperatur
  • Diarrhö (Flitzeritis)

Die Katze sabbert

Im Unterschied zu Hunden sabbern Katzen eigentlich nicht. Bei Hunden spielt zum einen die Rasse eine Rolle – es gibt Rassen, da ist verstärktes Sabbern gewissermaßen mit in die Wiege gelegt – manchmal wird das starke Speicheln aber auch bei Stress oder die Aussicht auf Futter („Pawlowscher Hund“) ausgelöst. Aber Katzen sind von Haus aus keine „Saberrer“. Der vermehrte Speichelfluss hat deshalb meistens meist mit Veränderungen in der Maulhöhle zu tun – beispielsweise mit dem Zahnwechsel.

Die Katze leckt ihr Zahnfleisch

Das mit Mundhöhle oder Zahnfleisch bei Deiner Katze etwas im Argen liegt, merkst auch daran, dass sie öfters versucht, an den Stellen zu schlecken. Normalerweise wird die Zunge, also der „Katzenkamm“, ja vor allem für Fellreinigung und Nahrungsaufnahme verwendet. Katzen neigen an sich nicht dazu, mit der Zunge Maul und Zähne zu bearbeiten. Wenn sie das auf einmal immer öfter tun, kannst Du davon ausgehen, dass da etwas ist, was sie stört, was sie unbedingt beseitigen wollen.

Die Katze zeigt Appetitlosigkeit

Jeder Happen schmerzt? Dann lässt man das Fressen lieber! Oder beschränkt sich auf das Wesentliche. Appetitlosigkeit ist oft ein Hinweis auf den Zahnwechsel. Wenn das Zahnfleisch gerötet und geschwollen ist, fällt das Futter fassen natürlich schwerer. Da lässt man vor allem die harten Brocken lieber links liegen. Du musst aber keine Angst haben, auch wenn Deine Katze, die sonst kein Kostverächter ist, jetzt Low-Carb vorzieht, wird sie nicht gleich verhungern.  

Die Katze hat Mundgeruch

Wenn die Babyzähnchen den Erwachsenen-Zähnen weichen, kann es auch vorkommen, dass Deine Katze in dieser Zeit auf einmal seltsam aus dem Maul riecht, also Mundgeruch hat. Schuld am üblen Geruch sind Bakterien, die in der Nähe lockerer Milchzähne und Futterreste einen wunderbaren Nährboden vorfinden. Nach dem Zahnwechsel ist der Mundgeruch aber normalerweise wieder verschwunden.

Was tun, wenn die Katze Mundgeruch hat?

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Die Katze beim Zahnwechsel unterstützen

Wenn Deine Katze die genannten Symptome zeigt, kannst Du sie beim Zahnwechsel unterstützen. Sicher, das ist ein ganz natürlicher Vorgang, der auch ohne Deine Hilfe abläuft. Aber Du hattest bestimmt auch schon mal Zahnschmerzen und warst dankbar, wenn die Schmerzen etwas gelindert wurden? Auch Deine Katze ist froh, wenn Du ihr beistehst und ihr diese Zeit so angenehm wie möglich machst. Das ändert zwar nichts am Vorgang an sich – der Wechsel steht nun einmal an und es schmerzt auch etwas –, aber es wird für Deine Katze erträglicher, wenn Du ihr etwas unter die Pfoten greifst!

TIPP: Mit diesen Maßnahmen wird der Zahnwechsel für Deine Katze angenehmer:

  • Katzenspielzeug zum Kauen
  • Weiches statt hartes Futter
  • Viel Liebe und Zuwendung

Hartes Katzenspielzeug zum Kauen

Da schmerzt etwas in der Maulhöhle, Deine Katze versucht das abzustellen. Deshalb reibt sie ihre Wangen an etwas, das Widerstand bietet oder beißt auf festen Dingen herum. Suche ihr passende Sachen aus, denn im Haushalt gibt es Dinge, die Stubentiger besser nicht verbeißen sollten. Lenke Deine Mieze ab und verquicke Spieltrieb mit Schmerzlinderung! Biete ihr hartes Katzenspielzeug zum Kauen an.

ACHTUNG!

Wenn Du mit Deiner Fellnase spielst, solltest Du aber lieber auf „Tauziehen“ verzichten – das könnte Deiner Katze im Moment am Kiefer sehr weh tun!

Weiches Katzenfutter bereitstellen

Während Deine Mieze zahnt, solltest Du von Trocken- auf Nassfutter umstellen. Auch wenn Du ihr sonst eher Trockenfutter gibst, solltest Du jetzt lieber weiches Katzenfutter bereitstellen. Nassfutter ist weicher und leichter zu verdauen. Das kann Deine Katze auch noch gut fressen, wenn das Zahnfleisch schmerzt, das flutscht schnell und problemlos! Etwas Futter oder ein Leckerli kannst Du ihr aber ruhig separat in trockener Form anbieten: Ein paar harte Bröckchen hebeln oft die lockeren Wackelzähne erfolgreich aus…

Streicheleinheiten anbieten

Alles geht besser, wenn Dich jemand in den Arm nimmt und liebkost, oder? Unseren Miezen hilft es auch, sich aufgehoben und nicht allein zu fühlen. In dieser Zeit bitte nicht mit Streicheleinheiten sparen – viel hilft viel! Aber auch in Ruhe lassen, wenn die Fellnase allein sein will. Manche Miezen lassen sich sogar das Zahnfleisch sanft massieren. Aber bitte nichts erzwingen und sofort sein lassen, wenn es der Katze nicht behagt. Und dabei bitte unbedingt auf gründliche Hand Hygiene achten!

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Probleme beim Zahnwechsel bei Katzen

Normalerweise läuft ein Zahnwechsel bei Katzen ohne größere Komplikationen ab. Hin und wieder gibt es aber auch mal Probleme beim Zahnwechsel. Es ist so ähnlich wie beim Staffellauf: die Platz-Übergabe sollte reibungslos und geschmeidig verlaufen, sonst ist ein perfekter Ablauf nicht mehr gewährleistet. Manchmal verdrängen die neuen Zähne nicht die Milchbeißer, sondern suchen sich einen Platz neben ihnen; oder die Milchzähne sind angebrochen oder defekt, bleiben aber trotzdem auf ihrem Platz. Solche Probleme sollten so schnell wie möglich behoben werden!

Die Zähne der Katze im Blick behalten

Behalte die Zähne Deiner Katze im Blick! Schaue selbst nach, lasse aber auch einen Tierarzt regelmäßig die Zähne Deiner Mieze kontrollieren. Er checkt, ob alles in Ordnung ist und die Zähne sich dorthin bewegen, wo sie hingehören; wenn sich Fehlstellungen ergeben, kann er eingreifen und das korrigieren. Manchmal müssen die renitenten Milchzähne auch gezogen werden. Zu viele oder krumme Zähne könnten sich für Deine Katze zu einer sehr ungesunden Sache auswachsen – dann lieber mal ein kurzer Eingriff: Ruck Zuck, Zahnluck. Dann ist Ruhe.

Zahnfleischentzündung untersuchen lassen

Das Zahnfleisch Deiner Katze ist oft geschwollen und stark gerötet? Dann könnte sie unter einer Zahnfleischentzündung leiden! Die Gründe dafür, warum sich das Zahnfleisch entzündet, können vielschichtig sein. Bei fortgeschrittener Erkrankung können die Zähne und Wurzeln in Mitleidenschaft gezogen werden – im schlimmsten Fall werden sogar die Kiefernknochen der Katze geschädigt. Eine Zahnfleischentzündung solltest Du deshalb immer untersuchen lassen!

Starke Schmerzen beim Zahnwechsel lindern

Katzen sind tapfere Geschöpfe, sie leiden oft still vor sich hin. Wenn Deine Katze aber allem Anschein nach starke Schmerzen beim Zahnwechsel hat, kannst Du ihr mit einem kühlen Beißring helfen; so etwas gibt es mittlerweile speziell für Katzen. Bitte gib ihr auf gar keinen Fall Medikamente für Menschen! Die sind nicht für Miezen gemacht und können Deine Katze schwer schädigen und vergiften! Versuche nicht selbst zu heilen, sondern frage einen Profi: rufe einen Tierarzt oder in einer Tierklinik an, dort wird Dir etwas tiergerechtes empfohlen.

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